Hoffnung bei Hirn-,Nerven - und Rückenmarkserkrankungen

Der Nervenwachstumsfaktor NGF, Mitglied der Neurotrophinfamilie reguliert und stimuliert Wachstum, Differenzierung und Überleben von neuronalen Zellen.

Bei einer Rückenmarksverletzung oder bei einem Schlaganfall gehen massiv Nervenzellen im Gehirn zugrunde, leider auch gesunde. Forscher des Max-Delbrück- Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Universität Aarhus, Dänemark, haben jetzt den Mechanismus  aufgeklärt, der den Zelltod der Nervenzellen auslöst.

Im Tierversuch gelang es zu zeigen, dass der Untergang von Nervengewebe begrenzt werden kann, wenn das Gen für einen der Mitspieler bei diesem Prozess stillgelegt wird. Schuld an dem Untergang vieler Nervenzellen ist der Vorläüfer des Nervenwachstumsfaktors, den die verletzten Zellen ausschütten, das proNGF. ProNGF dockt an einen Oberflächenrezeptor, den Forscher Sortilin nennen, und der auf allen Nervenzellen, auch den gesunden, sitzt, an. Bindet sich nun proNGF an Sortilin, löst es damit ein Signal aus, das den Zelltod ins Rollen bringt. Das erklärt auch, weshalb nicht nur die ursprünglich geschädigten Nervenzellen sondern auch das umliegende gesunde Nervengewebe untergehen.

Was für die Embryonalentwicklung unabdingbar ist, ist für den erwachsenen Organismus verhängnisvoll. Der durch proNGF ausgelöste Zelltod sorgt im Embryo dafür, dass sich das Nervensystem gezielt und kontrolliert ausbildet, ohne auszuufern. Im erwachsenen Organismus führt dieser "Todesfaktor" jedoch dazu, dass bei Verletzungen im Gehirn immer auch massiv gesundes, und nicht nur geschädigtes Nervengewebe abstirbt. Das heißt,dass die Nervenzellen nicht nur durch den ursprünglichen Schaden, wie zum Beispiel den Mangel anSauerstoff beim Schlaganfall zu Grunde gehen, sondern ganz wesentlich durch die Bindung von proNGF an Sortilin.

Die Forscher hatten nach der jetzt mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Methode zum Ausschalten von Genen, knock-out Mäuse gezüchtet, denen der Rezeptor Sortilin fehlt. Es zeigte sich, dass bei den Mäusen, die kein Sortilin auf ihren Nervenzellen tragen, wesentlich mehr Nervenzellen bei einer Rückenmarks- verletzung überleben, als bei Mäusen, die noch über die Sortilin-Bindungsstelle verfügen. Letztere verlieren bis zu 40 Prozent der betroffenen Nervenzellen.

Ziel ist es daher, Medikamente zu entwickeln, die den Oberflächenrezeptor blockieren,um die Schädigung des Nervengewebes zu begrenzen.

Es wird vermutet, dass proNGF auch bei einer Vielzahl neurologischer Erkrankungen wie Schlaganfall, Multipler Sklerose, Alzheimer und Parkinson den Zelltod von Nervenzellen auslöst. Alle diese Krankheiten
könnten deshalb für solch eine neue Behandlungsstrategie in Frage kommen.

 

 

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